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Appel, Carl. Bernart von Ventadorn, seine Lieder, mit Einleitung und Glossar. Halle a. S.: Verlag von Max Niemeyer, 1915.

070,045- Bernart de Ventadorn

 

45.

 

Strophenzahl und -folge unter Zugrundelegung der Mehrheit der Handschriften, die zugleich den vollständigen Text bieten:

1
2
3
4
5
6
7
8
9
ABDGIKN¹Q
1
2
4
3
5
7
 
 
 
RV
1
2
4
5
3
7
 
 
 
CM
1
2
5
3
7
 
 
 
 
N²a
1
3
2
4
5
 
 
 
 
W

Ich bin beim Druck jener ersten gefolgt, da die von mir für richtig gehaltene immerhin hypothetisch ist. Man wird aber bei jener in der Tat nicht bleiben können. Str. VI wendet sich einer anderen Dame zu, als der, von welcher das Lied bis dahin gesprochen hat. Str. VII redet wiederum von der ersten. Nun würde die schmerzliche Stimmung des Liedes freilich besonders stark zur Geltung kommen, wenn wir in der VI. Strophe einen Versuch des Trostes sähen, von welchem der Dichter in der letzten zur vorhergehenden Stimmung zurückkehrte. Aber das wäre, in der Weise wie es hier geschähe, kaum Art der Trobadors. Wir werden VII vor VI stellen müssen. An den bon esper des v. 37 schließt sich dann die bon’ esperansa der beiden Tornaden. Zugleich klingt der letzte Vers der letzten Strophe (jetzt v. 42) im v. 52 wieder, wie v. 51 in v. 55.

Aber auch die dritte Strophe steht kaum an rechter Stelle. Man wird sie entweder mit RV hinter Str. IV stellen, so daß sich der jetzige v. 22 erklärend an v. 13, 14 schließt, oder aber, noch eher, mit CMN²a, erst hinter die jetzige V. Strophe, so daß v. 43 ff. den Schluß aus v. 20-21 zieht.

Die Stellung wäre also dann 1 2 4 5 3 7. Mit Str. VII aber wird das Lied ursprünglich, wie in jenen vier Hdss., geschlossen haben. Die VI. Strophe und die beiden Tornaden stehen in einem empfindlichen Gegensatz zu der Stimmung, die sonst das Lied beherrscht. Sie werden erst aus einer Zeit stammen, in der Bernart seine Lieder an Conort richtete. (1)

Unter diesen Umständen würde sich also ergeben, daß schon durch die Strophenordnung ABDGIKN¹Q zu einer Gruppe, andererseits RV und N²a zu wieder zwei Gruppen zusammengeschlossen würden. Diese beiden würden dann wohl mit CM auf eine, kürzere und ursprünglichere, Redaktion zurückzuführen sein.

Die Annahme einer solchen zweigespaltenen Überlieferung wird durch die Varianten bestätigt. Wenigstens stehen sich auch in ihnen ABDIKN¹ und CMN²RVa gegenüber, s. v. 15, 16, 17, 24, 25, 27, 34, 46.

GQ sind eng miteinander verwandt, und zwar gehen sie meist mit Gruppe A. s. 16, 17, 24, 25, 34, gelegentlich aber auch mit der anderen: v. 28, 35 (mit RV 15, MN²R 20, mit Ma 18).

In der Gruppe A werden AB durch v. 4, DIK z. B. durch v. 46, DIKN¹ etwa durch v. 27 (prena) vereinigt.

Auf der anderen Seite treten CMN²a durch v. 29, 45, 49, MN²a durch v. 31 zueinander, RV, außer durch die Strophenstellung, durch v. 15, 25, 29, 45, 49.

C verbindet sich mit RV in 5, 10, 32, 47 (nur mit V v. 18), Wechselnde Beziehungen zeigen CM v. 25, MR v. 33.

Man kann das Handschriftenverhältnis, abgesehen von den schwankenden GQ und von W, ungefähr so darstellen:

 

Fußnoten:

1) Da könnte denn allenfalls ein morria v. 47, wenn es ursprünglich war, zu ·m n’iria gemildert sein, da doch der Dichter nun von neuer Hoffnung spricht. ()

 

 

 

 

 

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