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Appel, Carl. Bernart von Ventadorn, seine Lieder, mit Einleitung und Glossar. Halle a. S.: Verlag von Max Niemeyer, 1915.

070,028- Bernart de Ventadorn

8. Cui jois non a sabor oder C’us jois no m’a sabor? C’us steht nur in ABD, ist also selbst für diese Klasse schlecht bezeugt. Andererseits steht non a gegenüber no ma nur in CGMOa². Aber die handschriftliche Verteilung dieser Lesarten entscheidet kaum. C’us jois no m’a sabor ist die kräftigere Lesart. Ich habe sie in den Text der Gruppe GIK .. nicht aufnehmen können, da dieser die Vorlage dieser Hdss. wiederzugeben hat; sie wird aber m. E. die ursprüngliche sein.
 
23. chamjar oder cambïar? Bernart gebraucht sonst die zweisilbige Form. So werden wir auch hier der Gruppe G folgen.
 
27. Mos jois hat zwar vielleicht in der Vorlage der Gruppe G gestanden, wiederspricht ja aber deutlich dem Vers 8. So haben wir m’amors als richtig anzuerkennen.
 
29-32. Der Schluß der Strophe ist offenbar mangelhaft überliefert. Was in der Gruppe A steht, bez. in der Vorlage gestanden hat, soll vielleicht heißen: „und doch macht Minne und schöner Schein (trotz trai ist bel semblan als Nom. pl. zu nehmen, s. beil A, bell M) keinen Fortschritt, wo ich jetzt bitte, daß sie mir freundliche Gesinnung hege“. Die Vorlage der anderen Gruppe sagt: „und wenn sie mir nicht früher Liehe erweist und mich gütig anschaut, möge sie mich, wenn sie alt ist, bitten, daß ich freundliche Gesinnung gegen sie habe“. Es ist kein Zweifel, daß dieser letzte, eigenartige, Gedanke der Absicht Bernarts näher kommt als jene banale Äußerung. In v. 32 aber halte ich das m’aya der Gruppe A, und der Hds. C (und a¹: naia) aus der anderen, für richtig. Also: „ich bitte sie, daß sie, wenn sie alt sein wird, gütige Gesinnung gegen mich haben möge“.
 
34. a jornal „immer“ s. Raynouard, Levy, Stroński.
 
36. Das Bett soll also unter dem Fenster stehen. Ob fenestral eine besondere (etwa höher als gewöhnlich gelegene) Art von Fenster bezeichnet, kann ich nicht sagen. Aus der Flamenca, in der das Wort oft begegnet, geht nichts derartiges hervor. Man tritt dort an das fenestral heran, öffnet es, und sieht aus ihm heraus. Es ist bei dem leichten Reim auf -al nicht anzunehmen, daß Bernart das Wort nur als Flickreim angewendet hat. Sah er ein bestimmtes Fenster in seiner Erinnerung, oder wollte er durch das Fenster zu der Geliebten gelangen, oder sieht seine Phantasie die Geliebte im hellen weißen Tageslicht unter dem Fenster weißglänzend wie der Schnee? Ich habe mich für das Letzte entschieden und daher sotz fenestral durch ein Komma von en leih getrennt: „die unter dem Fenster weiß wie der Schnee ist“.
 
40. Was heißt mezurar hier? Dasjenige, was man messen will, legt man gern lang vor sich hin. Sieht der Dichter also sich und die Geliebte nebeneinander liegen? Auf die Gleichheit des Maßes kommt es dann freilich nicht an, sondern nur auf die Gleichartigkeit der Stellung. Schwerlich wird an „sich miteinander messen“ (im Liebesspiel) zu denken sein.
 
42. Die Bedeutung des aver sal wird durch Mistral klar gestellt, der aver sauve übersetzt „n’avoir pas perdu ses soins“; also hier: der seine Mühe übler verloren hätte“. (Levy bringt unter: aver salv „gut angewandt haben“, zwei Belege mit bestimmtem Objekt; die dritte Stelle, mit o wie hier, die Levy als unklar bezeichnet, soll wohl heißen: „Ihr werdet Eure Mühe nicht verlieren, denn Ihr werdet zu einem trefflichen und verständnisvollen Mann reden“.)
 
55 f. Die Meinung ist wohl, daß ein Geschenk umsomehr wert ist, wenn der Gebende es eigentlich nicht aus freien Stücken schenkt, sondern sich erst dazu zwingen muß. Die Dame solle ihn also immerhin küssen, wenn sie es auch nicht will. Der hier so sophistisch angewandte Gedanke wird aber dann freilich nicht recht klar zur Geltung gebracht, denn, daß die Überwindung eine Selbstüberwindung sein soll, sagt per forsa nicht.
 
60. com etz oder com m’etz bez. co·m etz, und ebenso v. 64 on es oder on n’es bez. o·n es.
 
66. Denan-totz, das wir für einen Verstecknamen halten müßten, steht in IK und liegt wohl N, und vielleicht auch a¹, zu Grunde. C und G aber haben mit der anderen Gruppe enans totz en vos und das wird, da Denan-totz sonst bei Bernart nicht begegnet, das Richtige sein. Bernart rechnet nur auf die Huld seines Bel Vezer und im Vertrauen auf ihn fährt er fort zu singen.

 

 

 

 

 

 

 

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