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Deutsch
Carl Appel

I. Manch einer handelt ungeziemend, weil er seine Torheit nicht erkennt, (oder) vielleicht weil er dafür nicht getadelt wird, der ziemlich handeln würde, würde es ihm gesagt oder erführe er darum Tadel, weshalb ich, Minne, es Euch ferner nicht verbergen möchte (denn man liebt den nicht, dem seinen Schaden man verbirgt): es ist gewißlich großer Schaden, wenn man, was übel ansteht, tut. Und Ihr begeht gar großen Fehl, aus Unwissenheit oder weil Ihr vielleicht nicht glaubt, Tadel damit zu verdienen, doch kann ich Euch hernach (wenn Ihr’s getan) nicht weniger Tadel sagen als Euch zusteht.
 
II. Denn wenigstens werd’ ich Euch zeigen, daß ich es weiß, daß Ihr so übel handelt (doch sollt Ihr wissen, daß ich die Vergehen nur künde, die Ihr aus Unverstand begeht. Ich würde Eure Schuld nicht offenbaren, doch könnte es sein, daß Scham Euch bessern würde), denn ich sehe immer, daß alle treuen Liebenden durch Euch zum Tode kommen, oder so unselig sind, daß sie drum Freude, Kurzweil und Verstand verlieren. Doch nimmer sahen wir, daß ein Falscher durch Euch zu Falle kam (ich aber will in Treue lieber sterben als daß ich falsch sei).
 
III. In gleicher Weise muß man, meiner Treu, für großen Fehl getadelt werden, wie dafür was man gut und edel tut, gelobt, denn ebenso ziemt sich für Schlechtigkeit der Tadel wie Lob für gute Tat. Jetzt, Minne, hab ich, was ich meine, Euch gesagt. Doch gute Herrin, Euch, die ich verehre, sage ich, daß nie Ihr etwas Freundliches mir antun möget, wnn ich mich, reich oder elend, gegen Euch, vergehe, es sei denn, daß ich ganz von Sinnen wäre.
 
IV. Und darum bitt ich Euch in Demut, daß meinen Schaden Ihr nicht dulden möget, denn ebenso wie ich verstehe meinen Kummer zu verhehlen, so würd’ ich Freude zu verbergen wissen, wenn sie mir, Herrin, von Euch käme. Und um nichts anderen willen liebe ich mich selbst als weil ich lebe Euren Willen zu erfüllen. So liebe ich Euch, daß schon im Denken was mir von Euch geschehen kann, ich mehr mich freue, als um des Gebens einer Andren willen ich mich freuen würde.
 
V. Nicht tadeln will ich, Herrin, Euch, doch Wahrheit ist es, sag ich, daß weit besser eine Dame handelt, die bald dem Ihren hilft als die ihn lange Zeit in leerer Hoffnung hinhält. Und weit besser würde es sein, daß eine Frau dem Ihren hülfe, bevor (er stirbt; denn, ist er tot,) hat ihn zu heilen sie keine Macht mehr. Ach! von anderer Seite kann mir keine Freude kommen (sei’s Liebesfreude oder sonst), die so genehm mir wäre.
 
VI. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

 

 

 

 

 

 

 

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