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Deutsch
Carl Appel

I. Ein Wunder wär’s wenn’s mir gelänge ein fröhlich Lied zu dichten, da’s so übel mit mir steht. Gern würd’ ich unterlassen es zu sagen wie’s mir geht, und würde stille davon sein. Doch die Verliebten und die Frohen würden sprechen: „Was tut er denn? Wir müssen uns verwundern, da er so fröhlich neulich war, wie’s kommt, daß er nicht singt.“
 
II. Denn einer Dame diente ich treu, mit gutem Herzen, so daß ich sie zu hohem Wert erhob. Jetzt steigt sie davon nieder. Was soll vor Leid ich tun, da ich die, der ich diente und der ich dienen würde, nicht lieben kann, weil sie’s verschuldet (denn ebenso geziemt, daß sie den Tadel trage, wenn sie trügt, wie Lob hat wer das Gute tut)? So bin voll Leid ich über ihren Schaden.
 
III. Soll ich nun (wie ein Mensch im Zorn den Sinn verliert) ein Arges sagen, das meiner guten Sitte nicht entspricht? Weil das mir nicht gefällt, würd’ ich, wenn ich es könnte, sie verhehlen. Doch sie lieben kann ich nimmer, daß sie sich selber haßt! Wißt Ihr, welch Trost ich habe, mit dem ich mich vertröste? Ich hatte doch zuvor viel Lust von ihr! Ach, hätt’ sie stets nur einen Sinn gehabt! Nur ihre Torheit läßt mich all dies reden!
 
IV. Mich und den guten Wert den sie gehabt, hat wahrlich sie verloren, und was man Gutes zu ihr sprach. Schaut wie es übel mit ihr steht! Wer sie sah, hätt’ neulich erst geschworen, und früher noch, daß nimmermehr sie fehlen könnte. Und was soll ich nun tun? und wie mich rächen? denn soviel hat sie mich lobend lügen lassen, daß, wenn ich gleich viel Schlechtes spräche, mir das noch mehr zum Tadel würde.
 
V. Gut ständ’ es einer Dame an, so lang sie jung ist, Ehre in Fülle zu gewinnen, in Taten knapp zu sein (?). Wohl kann sie sehen, wann sie sich spiegelt, wie’s mit der Schönheit steht. Doch ist auf ihren Wert sie nicht bedacht, so geht’s bergab mit ihr, denn ihre Schönheit geht dahin, und sie verbleibt mit grauem Haar bekümmert daß sie so lang einfältig wie ein Kind gelebt.
 
VI. Ihr Späher, fürderhin sprecht nur was Euch behagt. Mir kann’s nicht Vorteil und nicht Schaden sein.
 
VII. Ihr Lästigen, mehr würd ich wünschen eine Dame ohne Trug zu finden, als Tugend Ihr, die Ihr so liebt!

 

 

 

 

 

 

 

 

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